" Wenn das Pferd auf einen Durchmesser zwischen 8 -12 m, in allen Gangarten

 gebogen in der Spur gehen kann, sind 60 % der Ausbildung eines Pferdes erreicht "

   Nuno Oliveira  

Das Pferd kommt durch diese Longengymnastik selber hinter das Gleichgewicht,

baut die Muskulatur auf, die es braucht, um uns Reiter dann schadlos tragen zu können.

  Dieses Longieren ist entstanden aus der Art und Weise wie Pferde sich

untereinander gymnastizieren und wie die Berber und Iberer früher mit

ihren Pferden umgingen. Wir longieren das Pferd am Kappzaum, in einem

eingerahmten Quadrat von ca 12 m x 12 m, je nach Größe des Pferdes.

Das Quadrat gibt dem Pferd eine äussere Begrenzung, sodass es sich

aufgehoben fühlt. In jeder Ecke bekommt es den Impuls für mehr Biegung

aus der natürlichen Bewegung, ohne das ich es am Kopf halte

und es somit nicht störe. Wenn wir das Pferd halten, orientiert es sich auf die Vorhand,

kommt so mit seinem Schwerpunkt auf die Vorhand und verliert seinen Schwung. 

Mein Fokus liegt auf der Hinterhand, denn dort entsteht die Hankenbiegung, 

die für das Gleichgewicht maßgebend ist. Aus reeller Hankenbeugung

entsteht guter Schwung, der Hinterhuf tritt in die Spur des Vorderhufes oder

darüber , je nach Gangart, sowohl vertikal als auch lateral, auch auf

gebogenr Linie. Ohne wirklichen Schwung kann das Pferd nicht ins

Gleichgewicht kommen, und ohne Schwungkraft entsteht keine Kadenz.

Aus der Klaviatur der Übungen wird jede Longenstunde so gestaltet, dass

das Pferd in seiner Entwicklung Stück für Stück in ein besseres Gleichgewicht

kommt. 

 Wichtig ist mir der gegenseitige Respekt von Mensch und Tier.

Ich stelle im Stundaufbau Anfragen an das Pferd und es zeigt mir was  es

heute gymnastisch braucht und zu leisten im Stande ist . Ich schaue mit welchen

Übungen ich innerhalb dieser Longeneinheit sein Gleichgewicht verbessern

kann. Dafür muss ich meinen Blick schulen. Keine Übung wird gemacht, um

der Übung willen, sondern was braucht mein Pferd heute, um in ein besseres

Gleichgewicht zu kommen.  

 Die Pferde merken sehr schnell wie viel Freude diese Gymnastik macht,

denn  Spiel, Witz und Herausforderung sind ein

wichtiger Teil dieser Auseinandersetzung. Durch das bessere Gleichgewicht

werden sie zunehmend selbstbewusster und fangen an mitzudenken.

So wird das Longieren zu einem Gespräch.

Das wird dann ins Reiten übertragen. Je besser mein Pferd im Gleichgewicht

geht, umso bequemer ist es und umso feiner lässt es sich auch auf das

"Gespräch" ein. Wenn mein Pferd im äusseren Gleichgewicht gehen kann ,

gibt ihm das so viel Sicherheit, dass es auch ins innere Gleichgewicht kommt.

Das macht es zu einem entspannten, aber nie langweiligen Partner.